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Chefket

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Chefket beim Fest der Vielfalt, Berlin 2015
Chefket beim Fest der Vielfalt, Berlin 2015
Chart­plat­zie­rungen
Erklärung der Daten
Alben[1]
Nachtmensch
 DE921.08.2015(2 Wo.)
 AT5928.08.2015(1 Wo.)
 CH5323.08.2015(2 Wo.)
Alles Liebe (nach dem Ende des Kampfes)
 DE2724.08.2018(1 Wo.)

Chefket (bürgerlich Şevket Dirican, * 21. Dezember 1981[2][3] in Heidenheim an der Brenz[4]) ist ein deutscher Rapper und Sänger.

Frühe Jahre und musikalische Anfänge

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Şevket Dirican wuchs in Heidenheim an der Brenz auf und entdeckte früh seine Leidenschaft für Musik. Der Sohn türkischer Zuwanderer war schon in seiner Heimatstadt Heidenheim an der Brenz mit der Band Nil aktiv.[5] Er zog 2004 nach Berlin, um seine musikalische Karriere voranzutreiben, trat dort auf zahlreichen Freestyle-Battles auf und veröffentlichte 2009 sein Debütalbum Einerseits Andererseits über das Indie-Label Edit Entertainment.

Chefket wirkte bei der Kompilation Bundeswehr raus aus den Schulen! der Linksjugend mit dem Titel Made in Germany mit, der Teil der EP Identitäter ist.

Chefket trat unter anderem zusammen mit Marteria, Megaloh, Amewu, Samy Deluxe oder Culcha Candela auf und wurde von der Initiative Musik gefördert.[6]

Durchbruch und Erfolge

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2010 war er Gewinner der 8. Nacht der Talente des Radiosenders Fritz im Admiralspalast. Anschließend tourte er als Vorgruppe von Künstlern wie Brother Ali und Tech N9ne durch Deutschland.

2011 begleitete er Marteria auf dessen Tour und holte ihn 2013 auf die EP Identitäter, gemeinsam mit Samy Deluxe, Tua und MoTrip. Im selben Jahr veröffentlichte Chefket das Mixtape Guter Tag, dessen Vinylauflage innerhalb von 24 Stunden ausverkauft war.

2014 war er als Gast beim Stück Sicher des Rappers 3Plusss auf dessen Album Mehr zu hören.[7]

2015 gelang ihm mit dem Album Nachtmensch der Durchbruch, das Platz 9 der deutschen Albumcharts erreichte. Es folgten weitere Alben wie Alles Liebe (Nach dem Ende des Kampfes) (2018) und 2112 (2020), das über sein eigenes Label Chefket Records erschien.

Im März 2015 erschien der Sampler 7 Todsünden, auf dem Chefket mit dem Track Himmel vertreten ist.[8]

Sechs Jahre nach Einerseits Andererseits veröffentlichte Chefket sein zweites Studioalbum. Es erschien am 14. August 2015 und trägt den Titel Nachtmensch.[9] Mit Rap & Soul erschien im Vorfeld die erste Single, in welcher sich Marteria im dazugehörigen Video mit einem kurzen Gastauftritt zeigt. Ein weiteres Video wurde zu Glücklichster Rapper gedreht. Produziert wurde das Album von Farhot, der für Träume ein Sample von Melody Gardot verwendet.[10]

Internationale Aktivitäten und soziales Engagement

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Von 2014 bis 2018 war Chefket als Sprachbotschafter im Rahmen von Projekten des Goethe-Instituts in mehreren europäischen Ländern unterwegs.[11]

Das Goethe-Institut stellte Unterrichtsmaterialien zu seinen Liedern für Deutschlernende bereit und nutzte Konzerte als Zugang zur deutschen Sprache und Kultur.[12]

2016 tourte er im Auftrag des Goethe-Instituts durch Nordwesteuropa (u. a. Cardiff, Glasgow, Amsterdam, Kopenhagen, Dublin, Oslo, Stockholm und Helsinki).[13] Im Mai 2016 trat er außerdem auf Einladung des Goethe-Instituts bei einer Konzerttour in Polen auf; dazu wurden ebenfalls Unterrichtsmaterialien veröffentlicht.[14]

Chefket engagiert sich als Botschafter für den Verein Visions for Children e. V.[15] Im Februar 2021 veröffentlichte er den Benefizsong Petrichor zum Gedenken an die Opfer des rechtsextremen Terroranschlags in Hanau; der Erlös bzw. die begleitende Spendenaktion kam der Initiative 19. Februar Hanau zugute.[16]

Nach dem Tod seines Vaters zog sich Chefket in seine Geburtsstadt Heidenheim zurück und veröffentlichte 2022 die EP Hinter Schwäbischen Gardinen, der auch den Song Ne Var Ne Yok in türkischer Sprache enthielt.

2023 folgte die UK-Garage-EP Little Boy, deren gleichnamige Single sein erster englischsprachiger Song ist.

2024 arbeitete er mit Red Bull Istanbul im Rahmen des Formats 64 Bars zusammen und veröffentlichte zwei türkischsprachige Songs.

Im September 2025 wurde ein für den 7. Oktober 2025 geplanter Auftritt Chefkets im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) im Rahmen der von Jan Böhmermann kuratierten Ausstellung und Veranstaltungsreihe Die Möglichkeit der Unvernunft abgesagt.[15][17] Auslöser war Kritik von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer an einem in sozialen Medien verbreiteten Foto, auf dem Chefket ein Trikot mit „Palestine“-Schriftzug und Kartenmotiv trägt; Weimer bewertete das Motiv als antisemitisch und forderte das HKW zum Eingreifen auf.[14] Böhmermann und das HKW erklärten, man nehme Einwände – „insbesondere auch von jüdischer Seite“ – ernst und sagte den Konzertabend ab.[15] In Reaktion auf die Absage sagten mehrere weitere für die Reihe angekündigte Musiker ihre Auftritte ab. Dazu gehörten die Künstler Akryl, Blumengarten, Domiziana, Drunken Masters, Mine und Wa22ermann. Medien berichteten über Solidaritätsbekundungen sowie Kritik an politischem Druck und der Programmgestaltung.[18][19][20]

Diskografie (Auswahl)

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Chefket 2014
  • 2009: Einerseits Andererseits
  • 2015: Nachtmensch
  • 2018: Alles Liebe (Nach dem Ende des Kampfes)
  • 2020: 2112
  • 2025: DR. DIRICAN
  • 2013: Guter Tag
  • 2020: 2112
  • 2013: Identitäter
  • 2016: Nachtmensch (Akustik EP)
  • 2018: So Gut
  • 2022: Hinter Schwäbischen Gardinen
  • 2023: Little Boy

Weitere Veröffentlichungen

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  • 2013: Live MCs (Megaloh, Chefket & Amewu)
  • 2017: Sucuk & Ei (BENDMA Remix)
  • 2018: Gel Keyfim Gel (feat. Marsimoto)
  • 2018: Sowieso
  • 2018: Alles Klar
Commons: Chefket – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Chefket in den deutschen Charts
  2. Chefket. Abgerufen am 9. März 2024 (deutsch).
  3. Sonja Trabandt: „Populismus in Rap-Form“. In: taz. taz, 3. November 2018, abgerufen am 9. März 2024.
  4. Svitlana Magazova: Das Gute am Migrationshintergrund. In: SWR Heimat. Abgerufen am 12. März 2022.
  5. Interview bei noise-online.de
  6. Chefket auf initiative-musik.de, abgerufen am 14. September 2014
  7. Rezension zum Album Mehr des Rappers 3Plusss auf Popshot.over-blog.de vom 20. März 2014, abgerufen am 4. April 2014
  8. Beschreibung und Tracklist des Samplers 7 Todsünden auf backspin.de vom 3. Februar 2015, abgerufen am 9. Mai 2015
  9. Chefket kündigt Nachtmensch an auf raptalk.org vom 26. Juni 2015, abgerufen am 22. Juli 2015
  10. Kurz-Kritik zu Nachtmensch auf popshot.over-blog.de vom 8. September 2015, abgerufen am 9. September 2015
  11. Chefket: Böhmermann sagt Rapper-Auftritt wegen Antisemitismusvorwurf ab. In: Die Zeit. 29. September 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  12. Chefket Materialien – Deutsch für Jugendliche. In: Goethe-Institut Vereinigtes Königreich. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
  13. Chefket Resources – German for Young People. In: Goethe-Institut United Kingdom. Abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
  14. a b Absage von Rapper Chefket: Politik-Eingriff oder Antisemitismus? In: Deutschlandfunk. 30. September 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  15. a b c Chefket: Böhmermann sagt Rapper-Auftritt wegen Antisemitismusvorwurf ab. In: Die Zeit. 29. September 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  16. Jan Böhmermann cancelt Chefket-Auftritt – Flut an Absagen folgt. In: t-online. 6. Oktober 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  17. Eklat um Konzertabsage durch Böhmermann: Wer ist der Rapper Chefket? In: Der Tagesspiegel. 2. Oktober 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  18. Konzert-Absage: Jan Böhmermann knickt vor Wolfram Weimer ein. In: taz.de. 29. September 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  19. Böhmermann sagt Auftritt von Rapper Chefket im HKW ab. In: Monopol Magazin. 29. September 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  20. Alle Musiker canceln Auftritte bei Böhmermann. In: Tagesschau. Abgerufen am 3. Oktober 2025.