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Inge Herrmann

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Inge Herrmann (* 1985[1]) ist eine schweizerische Chemieingenieurin mit Zusatzausbildung in (prä-)klinischer Forschung und hat eine Professur für Nanopartiküläre Systeme am Department Maschinenbau und Verfahrenstechnik (MLF) an der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH).[2]

Leben und Wirken

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Inge Herrmann begann im Jahr 2003 ein Studium des Chemieingenieurswesens (Chemical Engineering) an der ETH Zürich und der Technischen Universität Delft, das sie 2007 mit dem Master abschloss.[3] Sie promovierte 2010 an der ETH Zürich mit einer Arbeit über ein magnetbasiertes Verfahren zur Blutreinigung, das an der Harvard University Cambridge weiterentwickelt wurde.[4] Anschließend ging sie zu Weiterbildungszwecken ans Universitätsspital Zürich (USZ), an die University of Illinois, Chicago sowie an das Imperial College London.

Herrmann kehrte 2015 in die Schweiz zurück und übernahm die Leitung einer auf nanoskalige Materialien und Geräte für das Gesundheitswesen spezialisierte Forschungsgruppe an der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). 2019 wechselte sie in das Department Maschinenbau und Verfahrenstechnik der ETH Zürich, wo sie als Expertin für Nanopartikelsynthese und Charakterisierung, Spektromikroskopie und translationale Nanomedizin das Nanoparticle Systems Engineering Lab leitet.[5]

Im September 2023 wurde sie zusätzlich an die Universitätsklinik Balgrist in Zürich zur Assistenzprofessorin mit Tenure Track für Muskuloskelettale Weichteilforschung berufen. Hier gründete sie das Ingenuity Lab, das sich auf Forschung und Entwicklung im Bereich medizinische Materialien und Technologien spezialisiert hat. Zusammen mit ihren Mitarbeitern des Labors, den klinischen Teams der Universitätsklinik Balgrist sowie den Forschungsgruppen an der Empa und an der ETH Zürich erarbeitet sie innovative technologiebasierte Lösungen für Diagnostik und Therapie. Schwerpunkte der Arbeit sind die Entwicklung neuer Gewebeklebetechnologien für die minimal-invasive und roboter-gestützte Chirurgie und die Erforschung neuartiger Behandlungsmethoden für strahlungsresistente Weichgewebstumore und antimikrobielle Resistenzen.[6] Unter Hermanns Leitung wurde bereits im Rahmen einer Dissertation von Alexandre Anthis ein mit Sensoren ausgestattetes Polymerpflaster entwickelt, das nach Operationen vor Lecks im Magen-Darm-Trakt warnt und undichte Stellen eigenständig schliessen kann.[7]

Gegenwärtig arbeitet ihr aus Doktoranden, Doktorandinnen und Postdocs bestehendes Team an einem Implantat aus Hydrogel, das ohne grösseren Eingriff in die Eileiter eingesetzt wird. Dort erfüllt es zwei Aufgaben: Es fungiert als Verhütungsmittel und verhindert, dass mit dem Menstruationsblut Gebärmutterschleimhautzellen in den Bauchraum eindringen können. Somit kann der Entstehung von Endometriose entgegengewirkt werden. Das Implantat ist bereits zum Patent angemeldet.[4]

  • 2012: Johnson & Johnson Award
  • 2012: Bayer Healthcare Award
  • 2018: Swiss National Science Foundation Eccellenza Award (SNSF)[3]
  • 2023: Latsis-Preis der ETH Zürich[8]
  • 2023: Felix-Largiadèr-Preis[9]
  • 2024: Global Women’s Impact Award, Falling Walls Science Breakthrough of the Year in der Kategorie Women’s Impact Award[10]

Veröffentlichungen (Auswahl)

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  • Inge K. Herrmann, Peter Wick: From Perception to Reality: Overcoming Toxicity Barriers in Healthcare Material Innovation. In: Advanced Therapeutics. Wiley-VCH GmbH, Weinheim 26. November 2025, doi:10.1002/adtp.202500099.
  • Oscar Cipolato, Tobias Leuthold, Marius Zäch, Georg Männel, Sam Aegerter,Calinda Sciascia, Alexander Jessernig, Marco von Salis, Sima Sarcevic, Jachym Rosendorf, Vaclav Liska, Dennis Kundrat, Romain Quidant, Inge Katrin Herrmann: Robotic Laser Tissue Soldering for Atraumatic Soft Tissue Fusion Guided by Fluorescent Nanothermometry. In: Advanced Science. Band 12, Nr. 7. Wiley-VCH, Weinheim 21. November 2024, doi:10.1002/advs.202406671.
  • Alexandre H.C. Anthis, Samuel Kilchenmann, Manon Murdeu, Paige J. LeValley, Morris Wolf, Charlotte Meyer, Oscar Cipolato, Mark W. Tibbitt, Jachym Rosendorf, Vaclav Liska, Thomas Rduch, Inge K. Herrmann: Reversible Mechanical Contraception and Endometriosis Treatment Using Stimuli‐Responsive Hydrogels. In: Advanced Materials. Band 36, Nr. 23. Wiley, 1. Februar 2024, doi:10.1002/adma.202310301.
  • Rduch Thomas, Herrmann Inge, Hornung René: Developing a Potential Treatment Approach for Severe Preeclampsia Based on Magnetic Blood Purification. Präsentiert bei: International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO). Präsentation/Vortrag (Englisch). Hrsg.: International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO) World Congress (Virtual Congress). 21. Oktober 2021.
  • Inge Katrin Herrmann, Matthew John Andrew Wood, Gregor Fuhrmann: Extracellular vesicles as a next-generation drug delivery platform. In: Nature Publishing Group UK (Hrsg.): Nature Nanotechnology. Band 15, Nr. 7, 1. Juli 2021, S. 748–759, doi:10.1038/s41565-021-00931-2.

Einzelnachweise

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  1. Berufungen vom 8. Mai 2023. 23. Mai 2023, abgerufen am 12. November 2025.
  2. Prof. Dr. Inge Herrmann. Abgerufen am 12. November 2025.
  3. a b ETH Zürich: The Group Nanoparticle Systemy Engineering. Abgerufen am 24. November 2025 (englisch).
  4. a b Christine Prußky: Mit Materialinnovationen Probleme lösen – Inge Herrmann. VolkswagenStiftung, 9. Oktober 2024, abgerufen am 22. November 2025.
  5. Prof. Dr. Inge Herrmann. ETH Zürich, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
  6. Universitätsklinik Balgrist: Pressemitteilung – Die Universitätsklinik Balgrist eröffnet das Ingenuity Lab. 16. November 2023, abgerufen am 24. November 2025.
  7. Healthcare in Europe: Sensorpflaster behält OP-Nähte im Bauch im Blick. 18. Juni 2023, abgerufen am 24. November 2025.
  8. Pioniere der medizinischen Materialinnovationen. 20. November 2023, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  9. #swissvisceralsurgeons | Antonio Nocito. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
  10. Falling Walls: Empa researcher honored for Science Breakthrough of the Year. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (deutsch).