Joseph Chinard

Joseph Chinard (* 12. Februar 1756 in Lyon; † 20. Juni 1813 ebenda) war ein französischer Bildhauer.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Joseph Chinard begann seine Karriere als Schüler des Hofmalers Nonnotte und arbeitete dann im Atelier des Bildhauers Barth. Blaise. Mit 16 Jahren war er bereits in die Wiederherstellung des Rathauses involviert. 1780 schuf er seine ersten eigenständigen Werke, darunter Figuren der Evangelisten für die Kuppelzwickel in Saint-Paul, die heute jedoch zerstört sind. Er schuf auch zwei große Figuren von Hl. Bruno und Johannes, von denen sich eine in Bourg befindet. Durch die Unterstützung seines Gönners, Chevalier La Font de Juis, konnte Chinard 1784 nach Rom reisen, wo er bis 1787 blieb. 1786 gewann er den ersten Skulpturpreis der Akademie mit der Gruppe Perseus befreit Andromeda.
Nach seiner Rückkehr nach Lyon heiratete Chinard 1788 Antoinette Perret. 1791 ging er erneut nach Rom, wo er hauptsächlich antike Arbeiten studierte. Am 22. September 1792 wurde er jedoch verhaftet und in der Engelsburg inhaftiert, nachdem seine Terrakottagruppe Le Genie de la Raison foulant aux pieds la Superstition als Religionsverletzung interpretiert wurde. Dank des Eingreifens des Malers David und des Ministers Roland wurde er unter der Bedingung, Rom zu verlassen, befreit und kehrte nach Frankreich zurück.
Wenig später wurde Chinard Ziel von Denunziationen und wurde am 17. Oktober 1793 wieder festgenommen. Er versuchte daraufhin, sich militärisch zu engagieren, und wurde am 23. Prairial des Jahres III beauftragt, sich der Alpenarmee anzuschließen. Zwei Jahre später, am 24. prairial des Jahres IV, erwarb er ein Atelier in der ehemaligen Chapelle de Lorette in Lyon, wo er Popularität gewann und Mitglied der Lyoner Akademie sowie des Instituts von Frankreich wurde. Er wurde der offizielle Künstler der Stadt Lyon und schuf Porträts der Familie des ersten Konsuls.
Chinard war in einen Prozess verwickelt, der ihn dazu brachte, Italien erneut zu verlassen. 1808 kehrte er endgültig nach Lyon zurück und heiratete 1811 erneut. Zwei Jahre später starb er, während er weiterhin aktiv war. 1909/10 fand in Paris eine umfassende Ausstellung seiner Werke im Musée des Arts Décoratifs statt, die etwa hundert seiner Arbeiten umfasste und das Andenken an diesen bedeutenden Künstler des Klassizismus neu auflebte.
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sein Erbe umfasst viele wichtige Werke, darunter Marmormedaillons mit Amor und Venus, Terrakottaskulpturen, Löwen für die porte Saint-Clair in Lyon, sowie zahlreiche Porträtbüsten von bedeutenden Persönlichkeiten wie Napoleon Bonaparte und der Kaiserin Josephine. Chinards Werke zeigen seine Vielfalt und künstlerische Fähigkeiten in verschiedenen Materialien, besonders in Marmorskulpturen und Terrakotta.
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Perseus befreit Andromeda, 1786
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Le Genie de la Raison foulant aux pieds la Superstition, 1792
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Der Tod des General Desaix
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Büste von Napoleon Bonaparte, 1801, Musée des Beaux-Arts, Lyon
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Büste von Madame Récamier, 1805/06
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Robert Darmstaedter: Künstlerlexikon. Über 4400 Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Pawlak, Herrsching 1986, ISBN 978-3-88199-300-5, S. 142.
- Chinard, Joseph. In: Ulrich Thieme (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 6: Carlini–Cioci. E. A. Seemann, Leipzig 1912, S. 503–505 (Textarchiv – Internet Archive).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Personendaten | |
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| NAME | Chinard, Joseph |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 12. Februar 1756 |
| GEBURTSORT | Lyon |
| STERBEDATUM | 20. Juni 1813 |
| STERBEORT | Lyon |