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Knight Orc

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Knight Orc
Entwickler Level 9
Publisher Rainbird Software
Leitende Entwickler Peter Austin
Veröffentlichung 1987
Plattform Atari 8-bit, Atari ST, BBC Micro, Commodore 64, Commodore Amiga, DOS, Mac, MSX, Schneider CPC, ZX Spectrum
Spiel-Engine KAOS
Genre Textadventure
Medium Diskette, Kassette
Sprache Englisch

Knight Orc ist ein Computerspiel, dass vom britischen Spieleentwickler Level 9 für verschiedene zeitgenössische Heim- und Personal Computer produziert und 1987 vom Publisher Rainbird Software veröffentlicht wurde. In dem Textadventure spielt man einen Ork auf einem Rachefeldzug.

Der Spieler repräsentiert den Ork Grindleguts, der sich am Vortag in der in einem fiktiven Fantasyreich befindlichen Gaststätte „Orcs Head Tavern“ gemeinsam mit anderen Orks amüsiert hatte. Nachdem Grindleguts alkoholbedingt das Bewusstsein verloren hatte, gerieten seine Trinkkumpane mit einer Gruppe Menschen in einen Streit, in dessen Rahmen sie den Menschen die Teilnahme an einem Tjost zusagten. Um ihr Wort zu halten, präparierten sie den hilflosen Grindleguts für den Wettbewerb und suchten selbst das Weite. Zu Beginn des Spiels findet sich Grindleguts auf ein Pferd gebunden wieder, eine Lanze unter den Arm geklemmt und auf bestem Wege, einem menschlichen Ritter als wehrloses Opfer in einem Tjost zu dienen. Aufgabe des Spielers ist es, sich in einer durch Orks feindlich gesinnten Menschen bevölkerten Welt zu orientieren und sich an seinen seiner eigenen Rasse entstammenden Peinigern zu rächen.

Knight Orc ist ein Textadventure, das heißt, Umgebung und Geschehnisse werden als Bildschirmtext aus- und die Handlungen des Spielers ebenfalls als Text über die Tastatur eingegeben und von einem Parser abgearbeitet. Ein wesentliches Element der Handlung ist es, mit NPCs zu kommunizieren und diese für die Lösung von Rätseln einzusetzen.[1] In fast allen Versionen werden die Szenerie illustrierende, handgezeichnete und dann digitalisierte Standbilder angezeigt, die die obere Hälfte des Bildschirms einnehmen. In der Spectrum-Version musste der Spieler aufgrund des begrenzten Speicherplatzes auf Grafiken verzichten. Der Parser verfügt über ein fortgeschrittenes Bewegungsmanagement: Bekannte Örtlichkeiten können direkt aufgesucht werden, ohne die spielinterne Karte der Spielwelt ablaufen zu müssen.

Entwicklungsgeschichte

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Aufgrund der begrenzten Speicherkapazitäten früher Heimcomputer ist Knight Orc in drei Teile unterteilt, die nacheinander gespielt werden müssen. Die drei Teile („Loosed Orc“, „A Kind of Magic“ und „Hordes of the Mountain King“) sind dabei im Schwierigkeitsgrad ansteigend.[2] Die Entwicklungsumgebung, mit der Level 9 arbeitete, wurde extra für dieses Spiel weiterentwickelt und bekam den Namen „KAOS“, was für „Knight Orc Adventure System“ steht – die Falschschreibung wurde durch Level 9 geflissentlich ignoriert. Eine Besonderheit der KAOS-Entwicklungsumgebung war die Möglichkeit, computergenerierte Charaktere umfassend zu simulieren, was zum Erscheinungszeitraum des Spiels noch ein ungewöhnlicher Ansatz war. Knight Orc macht von dieser Möglichkeit Gebrauch und integriert zahlreiche computergesteuerte Charaktere mit Eigenleben, die unabhängig vom Handeln des Spielers ihren Geschäften nachgehen.

Dem Originalspiel beigelegt war eine gedruckte Kurzgeschichte von Peter McBride namens The Sign of the Orc, die die Hintergrundgeschichte zum Spiel ausführt.

Wertungsspiegel
PublikationWertung
AmigaAtari STZX Spectrum
ASMk. A.8/12k. A.
Happy Computerk. A.77/100k. A.
Sinclair Userk. A.k. A.10/10
Your Amiga7/10k. A.k. A.

Für die Happy Computer kritisierte Boris Schneider den aus seiner Sicht „überqualifizierten“ Parser sowie die Grafiken, sein Kollege Anatol Locker lobte hingegen die Handlung und die Interaktion der NPCs miteinander.[3] Für die ASM stellte Redakteur C.E. French den hohen Schwierigkeitsgrad des Spiels heraus und fasste sein Urteil als „solides konventionelles Adventure“ zusammen, vergab aber die Auszeichnung „ASM-Hit“.[1]

Sinclair User zeigte sich trotz der fehlenden Grafiken rundum begeistert, hob die „exquisiten“ Raumbeschreibungen und die pseudointelligenten NPCs hervor und verglich den Humor des Spiels mit dem von Douglas-Adams-Romanen.[4] Das britische Magazin Your Amiga hob hervor, dass es ungewöhnlich sei, einen Bösewicht zu spielen, und dass Knight Orc schon wegen der Verwendung von Grafiken und der mausgesteuerten Menüs aus der Masse der Adventures herausrage. Redakteur Clive Grace lobte die „pastellige, traumartige Qualität“ der Grafik, merkte aber Mängel in der Darstellung von Lebewesen an. In Summe sei Knight Orc das beste Amiga-Adventure, dass er je gespielt habe.[2]

Das SPAG Magazine fand 1998 retrospektiv nichts Negatives anzumerken, lobte Hintergrundgeschichte, Parser und insbesondere die selbstständig agierenden Charaktere und warf die These auf, Knight Orc sei wegen eines Antihelden als Spielcharakter der kommerzielle Durchbruch verwehrt worden.[5]

Einzelnachweise

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  1. a b C.E. French: Das Super-Abenteuer in drei Teilen. In: Aktueller Software Markt. Nr. 10, 1987 (kultboy.com [abgerufen am 7. Januar 2024]).
  2. a b Clive Grace: Knight Orc. In: Your Amiga. Januar, 1988, S. 19.
  3. Boris Schneider: Knight Orc. In: Happy Computer. SH 21, S. 59 (kultboy.com [abgerufen am 19. Februar 2023]).
  4. Sinclair User #071, Februar 1988, S. 81, online abrufbar
  5. Robb Sherwin: Knight Orc. In: SPAG. Nr. 15, 11. Oktober 1998 (spagmag.org).