Theodora wird wild
| Film | |
| Titel | Theodora wird wild |
|---|---|
| Originaltitel | Theodora Goes Wild |
| Produktionsland | USA |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1936 |
| Länge | 94 Minuten |
| Produktionsunternehmen | Columbia Pictures |
| Stab | |
| Regie | Richard Boleslawski |
| Drehbuch | Sidney Buchman |
| Produktion | Everett Riskin |
| Musik | Morris Stoloff |
| Kamera | Joseph Walker |
| Schnitt | Otto Meyer |
| Besetzung | |
| |
Theodora wird wild (Originaltitel: Theodora Goes Wild) ist eine US-amerikanische Screwball-Comedy aus dem Jahr 1936 unter der Regie von Richard Boleslawski nach einer Vorlage der Schriftstellerin Mary Eunice McCarthy. Die Hauptrollen übernahmen Irene Dunne und Melvyn Douglas, für ihre Darstellung erhielt Dunne eine Oscarnominierung als beste Darstellerin.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der pikante Roman „The Sinner“ der Autorin Caroline Adams deckt schonungslos die Doppelmoral und Heuchelei in einer Kleinstadt in Neuengland auf, er spart nicht mit skandalösen Enthüllungen und Liebesaffären. Auch der „Lynnfield Bugl“, die Lokalzeitung einer gleichnamigen Kleinstadt in Connecticut, möchte Auszüge aus dem Roman veröffentlichen. Dafür gerät der Chefredakteur Jed Waterbury jedoch unter massive Kritik von örtlichen Lesezirkeln und Frauenverbänden, welche für eine strenge Gesellschaftsmoral einstehen. Federführend sind die Dorftratsche Rebecca Perry sowie die resoluten Schwestern Mary und Elsie Lynn. Die beiden alten Jungfern leben mit ihrer Nichte Theodora zusammen, die Lehrerin an der Sonntagsschule sowie Organistin der örtlichen Kirche ist. Gleichzeitig hat Theodora allerdings ein Geheimnis: Sie ist in Wirklichkeit Caroline Adams und damit Autorin des Skandalbuchs. Während die Puritaner von Lynnfield die Publikation in der Lokalzeitung verhindern können, wird aus „The Sinner“ trotzdem ein landesweiter Bestseller, der die Listen der meistverkauften Bücher anführt.
Theodora fährt nach New York, um einige Angelegenheiten mit ihrem Verleger Arthur Stevenson zu besprechen. Stevensons Frau besucht das Büro und ist aufgeregt, endlich die Autorin dieses literarischen Skandals persönlich zu treffen. Sie ist überrascht, statt eines Vamps, der aus dem Nähkästchen plaudert, eine bescheidene junge Frau aus guten Verhältnissen zu treffen. Mr. Stevenson möchte Theodora überreden, der Öffentlichkeit ihre wahre Identität zu enthüllen. Die weigert sich jedoch standhaft, da ihr guter Ruf in Lynnfield sonst für immer dahin sei. Später am Abend begleitet Theodora die Stevensons zu einem eleganten Essen und betrinkt sich sinnlos. Sie ist angetan von Michael Grant, dem Illustrator ihres Buchcovers, und folgt ihm in diesem Zustand in sein Appartement. Als er küssen will, flieht sie in Panik.
Erschrocken über ihr eigenes Verhalten kehrt Theodora Hals über Kopf zurück nach Lynnfield. Michael folgt ihr und nimmt unter falschem Namen eine Stellung als Gärtner bei den Lynns an. Er erklärt, dass er Theodora aus ihrem einengenden Leben befreien möchte, und ignoriert dabei ihre Einwände, dass sie ihr Leben genau so mag, wie es ist. Nach und nach kommen sie sich beim Blaubeerpflücken und Fischen näher. Die beginnende Romanze wird jedoch argwöhnisch von denselben älteren Frauen beobachtet, die sich schon über den Roman aufgeregt haben. Gegenüber ihren Tanten und deren Freundinnen gesteht Theodora schließlich, dass sie Michael liebt. Nun verschwindet jedoch Michael auf einmal Hals über Kopf, er hinterlässt Theodora nur einen Abschiedsbrief.
Als Theodora ihn in New York aufsucht, erklärt Michael ihr, dass er bereits verheiratet ist. Zwar lebt er schon länger von seiner Ehefrau Agnes getrennt, aber aus Rücksicht auf den Familienruf hat er versprochen, erst nach dem Ende der Amtszeit seines Vaters Jonathan als Vizegouverneur die Scheidung einzureichen. Theodora kritisiert, dass er – genauso wie sie – sich durch sein Umfeld hat dominieren lassen. Sie ist entschlossen, den Dingen die entscheidende Wendung zu geben. Als ersten Schritt enthüllt Theodora ihre Zweitidentität als Caroline Adams, was in Lynnfield für Schock und Entsetzen, beim Chefredakteur Waterbury für Schadenfreude sorgt. In den folgenden Tagen gibt sich Theodora als kapriziöse Skandalschriftstellerin und sorgt für eine Schlagzeile nach der anderen. Als ihre Adresse gibt sie Michaels Appartement an. Michael und seine Familie bestreiten gegenüber der Presse, dass er Theodora überhaupt jemals getroffen hat. Schließlich stürmt sie den Ball des Gouverneurs und Reporter fotografieren sie dabei, wie sie Michael umarmt. Um ihr Gesicht zu wahren, reicht Agnes daraufhin die Scheidung von Michael ein.
Dann verschwindet Theodora aus den Schlagzeilen und kehrt nach mehreren Wochen nach Lynnfield zurück. Dort siegen Neugier und Begeisterung über den Puritanismus, und die meisten Dorfbewohner begrüßen sie freudig als neue Berühmtheit der Stadt. Für weitere Aufregung sorgt aber, dass sie mit einem Baby im Arm am Bahnhof ankommt. Das Kind gehört in Wirklichkeit zu ihrer heimlich verheirateten Freundin Adelaide Perry, was jedoch niemand weiß. Als der ebenfalls wartende Michael, dessen Scheidung inzwischen final ist, das Baby sieht, versucht er vor Schreck zu fliehen. Als Theodora die Geschichte um das Baby aufklärt und es der Großmutter Rebecca Perry überreicht, schließt Michael sie in die Arme.
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Irene Dunne war Mitte der 1930er dank zahlreicher Auftritte in tränenreichen Melodramen wie No Other Woman oder The Secret of Madame Blanche und opulenter Musicals ein hochbezahlter Filmstar. So zahlte ihr Universal 1936 eine Gage von $100.000 für die Mitwirkung in Show Boat. Die Schauspielerin hatte nach dem Auslaufen ihres Vertrages mit RKO beschlossen, künftig ohne feste Studiobindung nur noch nicht-exklusive Verträge abzuschließen. Diese free-lancing genannte Methode wurde ebenfalls erfolgreich von anderen Stars wie Cary Grant, Barbara Stanwyck und Carole Lombard verfolgt. Dunne unterschrieb daher unter anderem im Juni 1935 bei Columbia Pictures, deren autokratischer Studiochef Harry Cohn der Schauspielerin eine für ihn untypische persönliche Achtung entgegenbrachte. Das hinderte ihn nicht, als erstes Engagement eine Komödie für Dunne auszuwählen. Der Star war von der Idee überhaupt nicht angetan. In einem späteren Interview erinnerte sich Dunne:
„Ich hatte bislang noch nie Komödie gespielt. Ich hatte in ernsten Filmen wie „Back Street“, mitgewirkt und dann sollte ich dieses überdrehte junge Ding aus einer Kleinstadt spielen. Ich mochte den Part überhaupt nicht.“[1]
Die Schauspielerin brach zu einem sechswöchigen Aufenthalt in Europa auf, doch die Hoffnung, nach ihrer Rückkehr ein anderes Drehbuchangebot vorzufinden, zerschlug sich. Vor die Wahl gestellt, entweder suspendiert zu werden oder das Drehbuch für Theodora wird wild zu akzeptieren, nahm Dunne schließlich an. Zu ihren Bedenken trug auch die Wahl des Regisseurs bei. Richard Boleslawski war bislang mit schweren Dramen wie Rasputin and the Empress von 1932, Der bunte Schleier mit Greta Garbo aus dem Jahr 1934 sowie der Adaption von Les Misérables hervorgetreten. Cohn gestand der Schauspielerin schließlich das Recht zu, Boleslawski nach einer Wochen austauschen zu lassen, wenn sie mit seiner Regie unzufrieden sei. Am Ende kamen Star und Regisseur miteinander aus, wenn auch Melvyn Douglas später angab, Boleslawski sei während der gesamten Dreharbeiten bereits schwer krank gewesen. Gut ein Jahr später verstarb der Regisseur im Alter von nur 48 Jahren mitten während der Arbeiten zu The Last of Mrs. Cheyney mit Joan Crawford.
Für Irene Dunne war der Erfolg von Theodora Goes Wild, für den sie eine Gage von $ 40.000 plus Gewinnbeteiligung erhalten hatte, ein Wendepunkt ihrer Karriere. Sie erhielt nicht nur ihre zweite Nominierung für den Oscar als Beste Darstellerin, sondern etablierte sich auch als begabte Komödiantin. Unter den teilweise ausgefallenen Kostümen, die Dunne während der Handlung trägt, setzte ein Mantel aus Affenfell einen Trend, der sich bis Anfang der 1940er in der Mode hielt.
Die Ausgangssituation des Films weist eine bemerkenswerte Parallele zu den Ereignissen rund um die Entstehungsgeschichte des Schlüsselromans Die Leute von Peyton Place auf, der gut zwanzig Jahre später Amerika mit seiner Schilderung von Kleinstadtvorurteilen schockierte und dessen Autorin Grace Metalious ebenfalls als unbedarfte Bewohnerin einer Gemeinde in Neuengland lebte, ehe sie ihren Roman veröffentlichte.
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die meisten Kritiker lobten den Wechsel von Dunne in ein anderes Rollenfach.
Variety führte aus:
„[Irene Dunne] nimmt die Hürde zum komödiantischen Fach, die schon viele dramatische Schauspielerinnen in den letzten Jahren überwunden haben, mit elegantem Schwung.“[2]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film ging mit zwei Nominierungen in die Oscarverleihung 1937, gewann jedoch keinen der Preise:
- Oscar/Beste Hauptdarstellerin – Irene Dunne
- Oscar/Bester Schnitt – Otto Meyer
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- James Robert Parish (Hrsg.): The RKO-Girls. Arlington House Publishers, New Rochelle NY 1974
- Jerry Vermilye: More films of the Thirties. Carol Publishing, New York NY u. a. 1989, ISBN 0-8065-1148-6.
- Clive Hirschhorn: The Columbia Story. Hamlyn, London 2001, ISBN 0-600-59836-5.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Theodora wird wild bei IMDb
- Theodora wird wild bei Turner Classic Movies (englisch, derzeit von Deutschland aus nicht zugänglich)
- Analyse von Irene Dunne als Komödiantin im Bright Lights Magazine – englisch
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ I'd never done a comedy before. I'd done serious parts like „Back Street“, and there was this little flipperty small town dummy, and I just didn't like her at all.
- ↑ [Irene Dunne] takes the hurdle into comedy that so many dramatic actresses have made in the last year or two with versatile grace.