Pecha Kucha
Pecha Kucha (sprich: petscha-kutscha, IPA: [pe̞t͡ɕa̠kɯ̟ᵝt͡ɕa̠], Bedeutung „dauernd quatschend“[1]), auch: Petscha-Kutscha, ist ein Präsentationsformat, bei dem zu einem mündlichen Vortrag passende Bilder oder Folien in einem festen zeitlichen Raster projiziert werden. Das Standardformat umfasst 20 Bilder, die jeweils 20 Sekunden sichtbar sind („20×20-Format“). Die Methode soll klare, konzentrierte und kurzweilige Präsentationen fördern und langatmige Vorträge („Death by PowerPoint“) vermeiden.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Format wurde im Februar 2003 in Tokio von den Architekten Astrid Klein und Mark Dytham (Klein-Dytham Architecture) entwickelt. Ursprünglich diente es der Strukturierung von Präsentationen innerhalb der Design- und Kreativszene, verbreitete sich jedoch rasch in weitere Anwendungsfelder.[2]
Seit den 2010er-Jahren wird Pecha Kucha verstärkt im Museums- und Bildungsbereich, in Innovationslaboren und im unternehmerischen Kontext eingesetzt. In Deutschland fand das Format ab 2012 u. a. im Stadtmuseum Berlin Anwendung.[3]
Verbreitung und Pecha-Kucha-Nights
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter dem Namen Pecha–Kucha–Nights finden weltweit Veranstaltungen statt, in denen zwischen acht und vierzehn Präsentationen im standardisierten Zeitformat gehalten werden. Die Gesamtdauer eines Veranstaltungsabends beträgt, abhängig von der Anzahl der Vorträge, meist rund 60 bis 80 Minuten.
Das Pecha Kucha Network organisiert Veranstaltungen in hunderten Städten weltweit, seit 2004 finden entsprechende Veranstaltungen auch in Europa statt. Auch in Deutschland existieren Veranstaltungsreihen in verschiedenen Städten.[3] In Deutschland[4] und Österreich[5] ist Pecha Kucha eine eingetragene Wortmarke.
Pädagogische Rezeption und Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pecha Kucha wird in der Hochschullehre, in Workshops und in der didaktischen Forschung zunehmend untersucht. Pädagogische Studien betonen u. a.:[6]
- Förderung der Informationsreduktion und klarer Argumentationsstrukturen
- Stärkung rhetorischer Kompetenzen durch strikte Zeitbegrenzung
- Hohe Aktivierungswirkung durch dynamische Vortragsform
Kritikpunkte betreffen vor allem:
- den starken Formalismus der Methode, der komplexe Inhalte unter Umständen zu stark komprimiert,
- die Gefahr, dass der visuelle Rhythmus das inhaltliche Niveau überlagert
- und die beschränkte Eignung für tiefgehende wissenschaftliche Vorträge.
Wissenschaftlich wird Pecha Kucha dem Bereich der multimedialen Präsentationsformen und der formatbasierten Vortragstechniken zugeordnet. Es gilt als Beispiel für konvergent-digitalisierte Kommunikationsformate, die Effizienz und Struktur in Vortragssettings betonen.[6]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Julia Reiner, Marcus Schotte: Pecha Kucha – kein wirres Geplauder. Powerpoint strukturiert und sinnvoll nutzen. In: Praxis Deutsch. Zeitschrift für den Deutschunterricht. Band 41, Nr. 244, 2014, S. 56–62.
- Puvaneswary Murugaiah: Pecha Kucha Style Power Point Presentation: An Innovative CALL Approach to Develop Oral Presentation Skills of Tertiary Students. In: Teaching English with Technology. Nr. 1, 2016, S. 88–104.
- Alexander J. Carroll, Nedelina Tchangalova, Eileen G. Harrington: Flipping One-Shot Library Instruction: Using Canvas and Pecha Kucha for Peer Teaching. In: Journal of the Medical Library Association. Band 104, Nr. 2, 2016, S. 125–130.
- Abdullah Coskun: The Effect of Pecha Kucha Presentations on Students’ English Public Speaking Anxiety. In: Profile. Issues in Teachers’ Professional Development. Band 19. Supplement 1, 2017, S. 11–22.
- Steffen Schaal, Christian König: Wie beeinflussen Bakterien die Artentstehung? Mit Pecha Kucha Fachinhalte verstehen und reflektieren. In: Unterricht Biologie. Zeitschrift für die Sekundarstufe. Band 42, Nr. 437, 2018, S. 28–34.
- Elizabeth Allen: Our Stories–Our Journey: An Empowerment Group Approach for Justice-Involved Women using “Pecha-Kucha”. In: Social Work with Groups. A Journal of Community and Clinical Practice. Band 41, Nr. 4, 2018, S. 336–349.
- Karin Vogt, Adriane Langela-Bickenbach: Präsentationen bewerten mit Pecha Kucha. In: Der fremdsprachliche Unterricht Englisch. Band 56, Nr. 180, 2022, S. 8–9.
- Nazife Bakır, Çiğdem Gün Kakaşçı, Cuma Demir: The Effect of Training with the Pecha Kucha Method on the Attitudes of Chronically Ill Women Toward COVID-19 Vaccination. In: Women & Health. Band 62, Nr. 9–10, 2022, S. 809–817.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christian Fuchs: Popstars des Power-Powerpoint. In: Spiegel Online. 5. März 2009.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ ぺちゃくちゃ. In: Wadoku. Abgerufen am 20. Februar 2020.
- ↑ BERLINmacher: 775 Berliner – ein Netzwerk, Sonderausstellung zum Stadtjubiläum. Stiftung Stadtmuseum Berlin, 30. Juli 2015, abgerufen am 16. März 2018.
- ↑ a b PechaKucha 20x20: Browse all 1052 Cities. In: pechakucha.org. Abgerufen am 16. März 2018 (englisch).
- ↑ Registerauskunft Registernummer: 302014062216. DPMA, 19. November 2019, abgerufen am 5. Februar 2020.
- ↑ Markendetails 1311690. Österreichisches Patentamt, 21. April 2016, ehemals im (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 5. Februar 2020. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
- ↑ a b Germo Zimmermann: Pecha Kucha als Methode des reflexiven Lernens: eine qualitative Studie zu Chancen und Grenzen eines Präsentationsformats im Praxissemester der Sozialen Arbeit, die hochschullehre – Jahrgang 8–2022 (15) vom 29. September 2022, abgerufen am 21. November 2025